|
» Ausgabe 466
vom 02.03.2008 (Bericht)
von Werner Popken | Mit Pferd und Hund unterwegs
Auf langsame Art von Feuerland nach Mexiko
Vor drei Wochen habe ich Ihnen bereits » Günter Wamser vorgestellt, den Abenteuerreiter, der als Motorradfahrer begann und den amerikanischen Kontinent von Norden nach Süden durchquerte. Dafür hatte er sich bereits vier Jahre Zeit genommen. In Mittelamerika kam er aufs Pferd. Dieser Mann macht wenig Worte, deshalb fällt es mir manchmal schwer, mir recht vorzustellen, wie es wohl gewesen sein mag.
Motorradfahrer sind ja normalerweise schwer von ihren Maschinen fasziniert. Ich kenne niemanden, der vom Motorrad aufs Pferd kam, aber immerhin jemanden, der vom Pferd aus Motorrad umstieg. Das war umso bemerkenswerter, als dieser Mensch sportlich sehr engagiert und auch erfolgreich war. Im Vergleich mit den Pferden empfand er das Motorrad als enorm entspannend. Er konnte die Karre wegstellen und vergessen, bis es ihm wieder gefiel, sie zu bewegen bzw. sich von ihr bewegen zu lassen. Pferde bedeuteten demgegenüber vor allen Dingen Arbeit, Verantwortung, Disziplin.
Bei Günter Wamser ist es offenbar umgekehrt. Die Pferde und Hunde sind nicht nur Kameraden, sondern Freunde, zu denen er eine intensive emotionale Beziehung entwickelt, die mit der Beziehung zu einem Motorrad in keiner Weise zu vergleichen ist. Das Motorrad ist für ihn abgehakt. Es kommt in dem Buch › Der Abenteuerreiter so gut wie gar nicht vor. An einer Stelle benutzt er sogar ein Motorrad, um etwas zu erkunden. Emotional hat das denselben Stellenwert, als wenn er einen Bus benutzt.
Die Begegnung mit den Pferden eröffnete ihm eine ganz andere Art des Reisens. Ein Motorrad…
von Werner Popken » mehrZu den Themen
› Hufpflege › Wanderreiten |
» Ausgabe 463
vom 10.02.2008 (Bericht)
von Werner Popken | Das Pferd, das unbekannte Wesen
Über den Beginn eines neuen Zeitalters
Vor drei Wochen habe ich » Pete Ramey erzählen lassen, wie sein gesamtes Weltbild innerhalb kürzester Zeit zusammengebrochen ist, als er das erste Mal wilde Pferde beobachtete. Dabei hatte dieser Mann denkbar viele Erfahrungen gesammelt und unglaublich viel gelernt. Nach seiner Einschätzung haben wir "noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs berührt". Wir wissen ihm zufolge nicht nur kaum etwas über Hufe, das ganze Wesen der Pferde ist uns eigentlich unbekannt.
Zu dieser Einschätzung trug ganz wesentlich die durch unmittelbare Anschauung gewonnene Erkenntnis bei, daß eingefangene Mustangs schon nach sechs Wochen nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, obwohl sie unter Umständen gehalten werden, die für Hauspferde nach seinen eigenen Standards als optimal gelten. Dieser Besuch wilder Pferde in ihrer Heimat hat sein Weltbild vollständig erschüttert. Ist das verwunderlich?
Wenn man der Ansicht ist, daß unsere Existenz im wesentlichen mechanistisch ist, daß wir selbst und alle anderen Lebewesen nichts weiter sind als etwas kompliziertere Maschinen, stellt sich lediglich die Frage, unter welchen Bedingungen sich diese Maschinen optimal entfalten können. Man kann sich dann noch darüber streiten, was der Begriff "optimal" genau zu bedeuten hat, aber ansonsten kann die Akte geschlossen werden. Viele Menschen meinen, daß der Fortschritt der Wissenschaft keine andere Ansicht zuläßt. Leben heißt für diese ein Zusammenwirken von biochemischen und physikalischen Zuständen und Abläufen, deren genaue…
von Werner Popken » mehrZum Thema
› Hufpflege |
» Ausgabe 460
vom 20.01.2008 (Bericht)
von Werner Popken | Das Geheimnis des Hufs
Überraschende Erfahrungen in der Wildnis
In der letzten Ausgabe habe ich den ersten Teil einer » Predigt von » Pete Ramey referiert, die sich an Anhänger der Barhufbewegung richtete. Pete Ramey war ursprünglich Hufschmied, bevor er durch intensives Studium sämtlicher verfügbarer Quellen zu einem der bekanntesten Evangelisten der Szene avancierte, nicht zuletzt durch seine intensive schriftstellerische Tätigkeit und seine geradezu aggressive Offenheit gegenüber neuen Erkenntnissen und eigenen Schwächen. Bevor ich zum angekündigten Bericht über seinen Ausflug in die Wildnis komme, muß ich allerdings noch den Rest seines Artikels würdigen.
Norbert Balk hat mich auf einen schwerwiegenden Fehler im letzten Bericht hingewiesen: Gene Ovnicek hat nicht Hufschuhe entwickelt, sondern Hufeisen (› Leserbrief 1984). Vermutlich hat er recht und ich habe mich durch sprachliche Analogien auf eine falsche Fährte setzen lassen; das englische "hoof shoe" klingt wie das deutsche "Hufschuh", bedeutet aber "Hufeisen", während "Hufschuh" mit "hoof boot" übersetzt wird.
Über einen weiteren Leserbrief habe ich mich freuen können: Claudia Brunner bezeichnet sich als "Barhuffanatikerin und Pferdchenretterin" und hatte gute Nachrichten für mich: Nach ihrer Kenntnis gibt es auch in Deutschland eine sehr alte, vielfältige, lebendige Szene, über die zu berichten sich lohnt. Das wäre dann das nächste Projekt. Einstweilen bleibe ich bei den Amerikanern, unter anderem auch deshalb, weil ich annehmen darf, daß viele meiner Leser die von mir bearbeiteten Beiträge nicht so…
von Werner Popken » mehrZum Thema
› Hufpflege |
» Ausgabe 459
vom 13.01.2008 (Bericht)
von Werner Popken | Meine Box – deine Box
Über die Entwicklung von Erfahrung und Wissen
Passend zu unserer Serie über Hufpflege wurde in der neuen › FN-aktuell vom 09.01.08 in der Abteilung FN/DOKR/FNverlag auf eine Neuerscheinung im FNverlag aufmerksam gemacht, auf dessen Titelblatt Hufe abgebildet sind, die vermutlich den Verfechtern der Barhufe gar nicht gefallen dürften. Aber auch die Ankündigung des Verlags zeigt, wie verfestigt die Fronten sind, wie wenig man miteinander zu tun haben will, wie hartnäckig man an seinen Überzeugungen festhält, wie uninteressiert man an neuen Erkenntnissen ist:
Neu erschienen im FNverlag: »Gesunde Hufe – kein Zufall«
Warendorf (fn-press). Ein umfassendes Buch über den Pferdehuf ist im FNverlag erschienen. Unter dem Titel »Gesunde Hufe – kein Zufall!« hat Hufschmied Uwe Lukas (Warendorf-Milte) auf 160 Seiten reich bebildert seine Erfahrungen und sein Wissen aus 30 Jahren Berufserfahrung zusammengefasst. Lukas will mit seinem Werk das Rad – oder besser den Huf – nicht neu erfinden, vielmehr möchte er sein Know-how rund um den Pferdehuf allen Pferdebesitzern und Pferdehaltern, Pflegern, Physiotherapeuten und Auszubildenden in Pferdeberufen weitergeben. Im ersten Kapitel geht es um die anatomischen Grundlagen des Pferdefußes. Dem Fohlenhuf und dem Huf des Jungpferdes kommen im zweiten Kapitel umfassende Bedeutung zu. In den weiteren Kapiteln gibt es kompaktes Wissen, Hilfestellungen und Hinweise zu den Bereichen Hufpflege und den vielfältigen Möglichkeiten des Hufbeschlags sowie des Gleitschutzes. Da nach klinischen Untersuchungen über 60 Prozent aller Erkrankungen beim Pferd den Bewegungsapparat betreffen, darf das Kapitel »Orthopädische Beschläge bei Erkrankungen der Hufe, der Gliedmaßen und des Bandapparates« in diesem Huf-Buch nicht fehlen. Und um Schäden schon im Vorfeld zu vermeiden und oder zumindest zu begrenzen, gelten die abschließenden Kapitel der »Ersten Hilfe bei Hufverletzungen, Hufgeschwüren und Hufeisenverlust« und der »Hufgesundheit durch Pflege- und Futterzusatzmittel«. »Dieses Buch soll in erster Linie den Pferden Nutzen bringen, damit sie ihr Leben auf gesunden Hufen verbringen und alt werden können – und uns somit viel und lange Freude bereiten«, nennt Uwe Lukas sein Ziel. Das Buch »Gesunde Hufe – kein Zufall!« ist für 19, 80 Euro erhältlich im Buchhandel, in Reitsportfachgeschäften und direkt beim FNverlag in Warendorf, Telefon 02581/6362-154 oder -254, E-Mail » vertrieb@fn-verlag.de oder Internet » www.fnverlag.de.
› FN/DOKR/FNverlag |
| …
von Werner Popken » mehrZum Thema
› Hufpflege |
» Ausgabe 458
vom 06.01.2008 (Bericht)
von Werner Popken | Barfuß – Glaubensfrage?
Über die Einordnung eines kontroversen Themas
Stefan Hölzl, der uns im Jahre 2001 mit der Schilderung der Beziehung und Erfahrungen mit seinem ersten Pferd gerührt ( › Bella – Biest und Schatz, › Ein Leben rundet sich) und Anfang 2006 in einer großangelegten Artikelserie über Hufpflege berichtet hat ( › Hufeisen – Glücksbringer auf Pferdehufen, › Krieg der Weltanschauungen, › Im Zeichen der Ganzheitlichkeit, › Fast alle unnötig getötet, › Wie kann man's besser machen?), schrieb Anfang dieser Woche einen Leserbrief zur laufenden Serie über Hufpflege, den ich durch die Computerprobleme leider erst heute veröffentlichen konnte (› Leserbrief zu den Ausgaben 452-454 und 457).
Darin nimmt er zur Kontroverse um die Methode Straßer Stellung, berichtet über seine Erfahrungen mit seinem jüngsten Pferd und schildert einen Besuch bei Fred Rai, dessen gewaltfreier Ansatz so gar nicht zu seiner Einstellung bezüglich des Beschlags zu passen scheint. Ich bin ihm sehr dankbar dafür und meine Leser sicherlich auch.
Dies nicht zuletzt deshalb, weil sich auf diese Weise mein Eindruck verstärkt, daß ich mit dieser Serie ein wichtiges Thema aufgegriffen habe, bei dem ich noch eine Weile verweilen sollte. Durch meine Recherchen erschließe ich vermutlich für viele Leser Neuland, und deshalb lohnt es sich, dort weiterzumachen. Je mehr ich mich mit der amerikanische Szene beschäftige, desto beeindruckter bin ich.
Natürlich gibt es auch dort eine Menge Individualisten, die jeder ihr eigenes Süppchen kochen, aber es scheint dort nicht die Grabenkriege zu geben, unter denen die Szene hier leidet. Nicht einmal angesichts der tödliche Bedrohung durch das inzwischen gekippte Gesetze konnten sich bei uns die verschiedenen…
von Werner Popken » mehrZum Thema
› Hufpflege |
» Ausgabe 457
vom 30.12.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Mein Pferd geht barfuß und fühlig
Über die elementaren Funktionen des Hufes
"Mein Pferd geht barfuß, aber im Gelände ist es fühlig!" Ist diese häufig gehörte Aussage nun ein Beleg dafür, daß das Pferd eine schlechte Konstitution hat, müssen Pferde unter Umständen also doch beschlagen werden, oder beweist sie nur, daß wir – und der Hufpfleger – noch nicht wirklich begriffen haben, was Hufe eigentlich sind und wie sie auszusehen haben, damit sie ihrer Aufgabe gerecht werden und das Pferd sich und uns unter allen Umständen und über jegliche Art von Untergrund sicher und beschwerdefrei tragen können?
Der amerikanische » AANHCP-Hufpfleger » Eddie Drabek hat wie viele Barhuf-Befürworter seine Ansichten erst geändert, als einige seiner Pferde massive Probleme hatten und nach Meinung der Fachleute, nämlich sowohl der Tierärzte als auch der Hufschmiede, hätten entsorgt werden müssen (Hufrollenentzündung und Rehe). Da er dies vermeiden wollte, mußte er sich schlau machen.
Heute betreut er 200 Pferde im Monat rund um die texanische Hauptstadt Houston, von Arbeitspferden für Cowboys und bis zu Hochleistungspferden für den Sport aller Disziplinen. Manche von diesen waren ebenso aufgegeben wie seine eigenen, gehen aber heute dank seiner Pflege wieder Turniere und gewinnen sogar.
Unser › Titelbild ist seiner Internetpräsenz entnommen und zeigt » Mounted Patrol Officer Greg Sokoloski, der auf seinem unbeschlagenen Trakehnerwallach Shadow in gebißloser Zäumung auf dem Großstadtpflaster Houstons Dienst tut. Na also, es geht, wenn man will! So etwas…
von Werner Popken » mehrZum Thema
› Hufpflege |
» Ausgabe 454
vom 09.12.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Hochleistungs-Barhufe
Hufe nach 130 km in bester Verfassung
Was können Pferdehufe leisten? Nicht viel, wenn man der allgemeinen Überzeugung folgt. Bei den Pferden, so könnte man meinen, hat der liebe Gott etwas ganz Entscheidendes vergessen: die Eisen. Deshalb muß der Mensch hier eingreifen und auf die eine oder andere Weise nachbessern - mit oder ohne Eisen, das ist vielleicht eine Frage der technischen Aufgeschlossenheit und des technischen Fortschritts, aber Hufschutz, das ist nach wie vor die Meinung der meisten Pferdefreunde, Hufschutz in irgendeiner Weise ist unabdingbar, insbesondere wenn es um Leistung geht. Ist diese Sichtweise zu rechtfertigen? Ist das gut für die Pferde oder schlecht?
Seit ungefähr 1000 Jahren, genau weiß man es nicht, werden im Westen die Pferde mit Eisen beschlagen, den sprichwörtlichen Hufeisen, denen sogar magische Kräfte zugesprochen werden. Seit die Bauern Pferde einsetzen, was nicht ganz so lange zurückreicht, weil Pferde teuer und im Gegensatz zu Rindern zu nicht viel mehr zu gebrauchen sind als zu Spanndiensten, gehört zu jedem Dorf auch ein Hufschmied. Auch das kleine Dorf, in dem ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht habe, hatte eine Schmiede und einen Schmied, der selbstverständlich Hufschmied war. Das gute Dutzend Bauern besaß je zwei Pferde, und die waren selbstverständlich alle beschlagen.
Heute würde ich jede Wette eingehen, daß das überhaupt nicht nötig war, aber ich bin überzeugt davon, daß weder die Bauern noch der Schmied jemals einen Gedanken daran verschwendet haben, ob der Beschlag wirklich notwendig war. Die bekannte…
von Werner Popken » mehrZum Thema
› Hufpflege |
» Ausgabe 453
vom 02.12.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Der Huf – mit und ohne Technik
Über das Vertrauen in den Barhuf
In der letzten Woche habe ich über die höchstrichterliche Entscheidung in Sachen Hufbeschlaggesetz geschrieben, die aufgrund der Klage einer Gruppe um die » BESW-Hufpflegeschule erstritten worden ist. Aus diesem Anlaß habe ich dieses Unternehmen als technikinteressiert charakterisiert und zum Beleg den Test eines neuen Befestigungsmechanismus für einen Kunststoffbelag zitiert, der dort veröffentlicht worden ist.
Dieser Beitrag hat erfreulicherweise einen › Leserbrief provoziert, von Norbert Balk aus Argentinien, der langjährigen Lesern der Pferdezeitung wohlbekannt ist und sich anscheinend sehr für diese Fragen interessiert. Norbert Balk hat mich auf die Seite » Erfahrungen und Informationen zum Thema Barhuf aufmerksam gemacht, und ich habe diesen Hinweis gerne aufgegriffen.
Denn in dieser Ausgabe wollte ich mich Leuten widmen, die nicht der Meinung sind, daß der Mensch die Natur korrigieren muß. Sie bezweifeln sogar, daß das möglich ist. Deshalb möchten sie die Natur besser verstehen, um sie zu unterstützen, und alle Schritte vermeiden, die der Natur letzten Endes ins Handwerk pfuschen.
Das erste Argument gegen irgendwelche Hilfsmittel am Fuß ist doch, daß die Pferde als Gattung viel älter sind als wir Menschen und bis heute überlebt haben, weil der Huf optimal ist und keines Hufpflegers bedarf. Das zweite Argument lautet natürlich, daß Wildpferde auch keine Hufpfleger zur Hand haben und trotzdem prima zurechtkommen. Argentinien hat ja bekanntlich sehr viele Pferde und die meisten werden vermutlich nicht beschlagen sein, wenn sie…
von Werner Popken » mehrZum Thema
› Hufpflege |
» Ausgabe 452
vom 25.11.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Im Namen des Volkes: Zum Huf
Bundesverfassungsgericht stärkt Freiheit der Berufswahl
Haben Sie es schon bemerkt? Das » Bundesverfassungsgericht hat gesprochen. Am 14. November 2007 wurde der Beschluß vom 3. Juli 2007 als Pressemitteilung verkündet: » Teile des neuen Hufbeschlaggesetzes nichtig. Zeitgleich wurde es im Wortlaut veröffentlicht; 19 Seiten lang: » Das Urteil im Wortlaut.
Die Klägergemeinschaft unter Führung der BESW, namentlich deren Verwaltungschef Dr. Alexander Wurthmann, hat gesiegt. In den entscheidenden Passagen ist das neue Hufbeschlagsgesetz für verfassungswidrig und daher nichtig erklärt worden. Der lange Kampf gegen das unsägliche Gesetz ist zu Ende. Wir können alle aufatmen. Der juristische Weg war der einzige, der zum Ziel führte. Sauber und durchschlagend.
Immer wieder hatte auch die Pferdezeitung das Thema aufgegriffen, so etwa in den Editorials › Hufbeschlag (Ausgabe 332 vom 07.08.2005) und › Gesetze (Ausgabe 403 vom 17.12.2006) sowie in der Artikelserie › Krieg der Weltanschauungen, › Fast alle unnötig getötet, › Wie kann man's besser machen? zum Thema Hufpflege (15.01., 05.02., 12.02.2006 ) von Stefan Hölzl.
Im Laufe des Jahres 2006 gingen die Wogen hoch, an Argumenten war kein Mangel, aber trotzdem hatte die Politik kein Einsehen. Die Sache war schließlich sogar so interessant, daß Journalisten sie mehrfach aufgriffen und dem gemeinen Zeitungsleser als Musterbeispiel korrupter Verhältnisse in unserer Republik präsentieren konnten:
Pferdefuß
Web. Das kommt dabei heraus, wenn Lobbyisten ahnungslosen Bürokraten den Text in die Feder diktieren – ein Gesetz zur Beseitigung des Wettbewerbs. Denn mit dem neuen Hufbeschlagsgesetz der alten Regierung, das gerade den Bundestag passiert, entledigen sich die staatlich geprüften Schmiede der Konkurrenz durch Abgänger privater Schulen. Das Berufsverbot stützt sich auf zwei üble Annahmen: daß die Kunden zu dumm sind, gute von schlechten Dienstleistern am Huf zu unterscheiden, und daß jeder, der an den Füßen der Pferde raspelt, ein Tierquäler ist, auch wenn er das schon seit Jahren erfolgreich macht. Außer er ist ein staatlich geprüfter Schmied. Wo ist der Beweis, daß die Hufpfleger oder Huftechniker mehr pfuschen als die Schmiede? Die neuen Berufe sind entstanden, weil manche Pferdebesitzer moderne Materialien an den Füßen ihrer Tiere haben wollen, die viele Schmiede ablehnen. Wenn immer noch neun von zehn beschlagenen Pferden auf den alten Eisen herumlaufen, stellt das der Branche kein gutes Zeugnis aus. Und die soll jetzt Artenschutz erhalten. Daß es auch anders geht, zeigen jene Schmiede, die auf Tradition pfeifen und ihre Kunden weitgehend auf stoßdämpfenden Hufschutz umgestellt haben. Die Ausschüsse im Bundestag wollen das mißlungene Gesetz angeblich durchwinken. Wer möchte wetten, daß der Vorgang bei großen Themen anders abläuft?
» Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dienstag, 27. Dezember 2005, Nr. 301 / Seite 11 |
| …
von Werner Popken » mehrZu den Themen
› Bundesverfassungsgericht › Gesetzgebung › Hufpflege |
» Ausgabe 370
vom 30.04.2006 (Bericht)
von Alexander Bodemann | Fachleute und Besserwisser
Erfahrungen mit einem Problempferd
Auch unser Pferd hatte Probleme, sonst wären wir wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, uns eingehend mit der Materie zu befassen. [...]
Was Sie im Folgenden lesen werden [...], ist leider für viele Menschen zu einfach und zu logisch, als dass sie es ohne weiteres begreifen und akzeptieren werden.
Grundsätzlich sollte immer die Natur als Vorbild dienen und alle Bedingungen, welche aufgrund des „Gefangenhaltens“ eines Pferdes notwendig sind, sollten so nahe wie möglich an die Natur angelehnt sein. Auch wir haben sehr lange gebraucht, um zu begreifen, was wir unserem „angeblichen“ Freund täglich, und das vielleicht über Jahrzehnte, angetan haben!
Wie so viele andere konnten wir es vorher nicht besser wissen, da man überall nur die geläufigen Umgangs- und Haltungsbedingungen gelehrt bekommt. Diese stammen teilweise aus dem Mittelalter und ignorieren die modernen, wissenschaftlichen Erkenntnisse der Anatomie, Physiologie, Biochemie, Physik sowie der Verhaltensforschung und vielem mehr. Außerdem spiegeln sie bei genauerem Hinsehen den menschlichen Egoismus wieder, da stets alles zu seiner eigenen Bequemlichkeit und/oder zu seinem Vorteil ausgerichtet sein muss.
Würden wir heute gezwungen, unser Pferd zu beschlagen und es in einen Käfig (Box) einzusperren, würden wir nie mehr ein Pferd halten!!!
Abschließend sei hier noch gesagt, dass die auftretenden Probleme gleichermaßen auch für unbeschlagene Pferde gelten, insofern die Hufe dieser nicht naturgerecht…
von Alexander Bodemann » mehrZum Thema
› Hufpflege |